Es war klar, dass in Ermangelung einer echten Mäßigung der Hamas nun das Interpretationsspiel losgehen würde. Ziel: Wie interpretiert man eine moderate Linie in Hamas-Aussagen hinein, damit am Ende wieder die Israelis schuld sind, wenn es nicht zu Verhandlungen kommt. Ein schönes Beispiel für eine eigentlich fehlgeschlagene positive Hamas-Hermeneutik, die dann aber doch wieder zugunsten von Hamas ausgelegt wird, hat heute Reuters zu bieten (wer wissen will, wie es wirklich mit der Mäßigung aussieht, ist hier besser bedient). Hier die Orginal-Agenturmeldung von Reuters:
FOKUS 1-Hamas-Minister dementiert Bezug auf Zwei-Staaten-Lösung= - von Nidal al-Mughrabi - Gaza, 05. Apr (Reuters) -
Der palästinensische Außenminister Mahmud Sahar hat bestritten, dass er im Nahost-Konflikt von einer
Zwei-Staaten-Lösung gesprochen habe. Ein hochrangiger palästinensischer Diplomat bei den Vereinten Nationen (UN)
hatte zuvor erklärt, Sahar habe eine solche Lösung in einem Brief an UN-Generalsekretär Kofi Annan angedeutet. Die
neue Regierung in den Palästinensergebieten wird von der radikal-islamischen Hamas-Bewegung gestellt. Sie hat sich
bislang der Vernichtung Israels verschrieben und wird international als Terror-Gruppe eingestuft.
?So ein Satz wurde in dem Brief nicht benutzt?, sagte Sahar am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters mit Blick auf
die angeblich angeführte Zwei-Staaten-Lösung. Auch in einer Reuters vorliegenden Fassung des Briefes wurde eine solche
Lösung nicht angeführt. Allerdings klang der Wortlaut für einen Hamas-Anführer, der als Vertreter der harten Linie gilt,
relativ versöhnlich. In dem Brief heißt es aber unter anderem, die palästinensische Regierung wolle mit den UN und den
Staaten der Welt zusammenarbeiten, um Frieden und Stabilität in der Region zu erreichen - auf der Grundlage einer
?umfassenden und gerechten Lösung". ?Wir hoffen, dass einige Länder ihre Standpunkte und übereilten Entscheidungen
überdenken, insbesondere was den Stopp von Hilfen angeht?, heißt es weiter.
Auch sollte die auf Drohungen statt Dialog abzielende Sprache überdacht werden.
?WEITERENTWICKLUNG DER DENKWEISE DER HAMAS" Die umstrittene Passage in dem Brief stammte aus einer
inoffiziellen Übersetzung der UN-Vertretung der Palästinenser ins Englische. Wörtlich heißt es darin mit Blick auf den
geplanten Ausbau jüdischer Siedlungen im Westjordanland und die israelische Sperranlage: ?Letztendlich wird dies jede
Hoffnung auf eine Einigung und einen Frieden auf der Grundlage der Zwei-Staaten-Lösung vermindern.? Der
palästinensische UN-Vertreter Rijad Mansur hatte am Dienstag vor Journalisten in New York gesagt, die Wortwahl in dem
Brief Sahars sei wichtig.
Sie zeige eine Weiterentwicklung der Denkweise der Hamas. Mansur wies zudem auf den letzten Absatz des Briefes hin,
nach dem sich das palästinensische Volk der Übersetzung zufolge darauf freut, ?Seite an Seite mit unseren Nachbarn in
diesem heiligen Teil der Welt? zu leben. Mit den ?Nachbarn? sei auch Israel gemeint, betonte Mansur. In dem Reuters
vorliegenden Brief kommt indes auch diese Passage nicht vor.
Auch ein Parlamentsabgeordneter der Hamas, Muschir al-Masri, betonte nun, eine Anerkennung Israels stehe derzeit
nicht zur Debatte. Stattdessen bekräftigte er das Angebot einer länger andauernden Waffenruhe, sollte sich Israel von
den besetzten Gebieten zurückziehen. Israel hat dieses Angebot bereits abgelehnt.
Die Hamas ist für fast 60 Selbstmordanschläge auf Israelis verantwortlich und erkennt die bisherigen Vereinbarungen im
Rahmen des Nahost-Friedensprozesses nicht an. Israel und die USA versuchen derzeit, die Hamas-Regierung international
zu isolieren. Das Nahost-Quartett aus den USA, Russland, den UN und der Europäischen Union (EU) hat mit der Kürzung
von Finanzhilfen gedroht, sollte die Gruppe der Gewalt nicht abschwören.
kat/jma REUTERS
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Ja, und mir graut bereits jetzt vor diesen Deppen und "nützlichen Idioten" hier bei uns, die bereitwillig - oder wir können es auch naiv nennen - auf den Zug aufspringen und sich als die wahren Terroristen-Versteher ausgeben.
sturmtief 05.04.2006 - 22:41Trackback: Das Geld wird knapp, die Lügen billiger Also gibt man den Geldgebern ein Häppchen in Form eines in deren Sinne deutbaren Halbsatzes.
Im Falle der Europäer, die nur darauf warten, endlich umfallen zu dürfen, ist es natürlich müßig darauf hinzuweisen, was derselbe...
Schafft die arabische Welt den Sprung in die Moderne? Wie geht es mit Amerika und Europa weiter? Bleibt der Aufstieg Chinas zur Weltmacht friedlich? Außenpolitik ist viel zu spannend, um sie nur den Politikern zu überlassen, meint Clemens Wergin. Er hat in Hamburg Nahostgeschichte studiert sowie Islamwissenschaft und Journalistik. Als Meinungsredakteur beim Tagesspiegel kommentiert er vor allem Themen der Außenpolitik.